„Hola guapa!“ Oder: Der Macho aus Lateinamerika

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Der Chilene sagt: Das muss so. Die Mexikanerin sagt: Die sind eben so. Wie ich als deutsche Backpackerin den südamerikanischen Machismo erlebt habe.

Geh nach Lateinamerika, haben sie gesagt. Es wird dir gefallen, haben sie gesagt.
Sie haben nicht gelogen. Was trotzdem unerwähnt blieb, lässt sich kurz zusammenfassen: „machismo“. Die Bedeutung des Wortes sollte sich von selbst erschließen. Ich hatte davon gehört, kurz vor meiner Reise, mein Reiseführer sprach davon, ich las es im Internet und dennoch dachte ich: Ach, kann doch nicht so wild sein.

Erwähnt werden sollte an dieser Stelle, dass ich im Grunde nicht nach Lateinamerika reiste. Ich reiste nach Chile, in das Land, das wirtschaftlich am stärksten entwickelt und somit einer der modernsten, zivilisiertesten und wohl auch westlichsten Staaten in Südamerika ist. „Chile ist nicht Südamerika“, wurde ich schon am Flughafen aufgeklärt. Klasse, dann kann doch auch der „machismo“ dort nicht so schlimm sein. Dachte ich. Naiv.
Glaubt man Google – und Google weiß bekanntlich alles – bedeutet „machismo“ Männlichkeitswahn, Verteidigung der männlichen Ehre und der Zwang, die eigene Männlichkeit in der Gesellschaft unter Beweis zu stellen. Und der Duden sagt: Substantiv, maskulin. Übersteigertes Gefühl männlicher Überlegenheit und Vitalität. Außerdem geht damit die ideologische Überzeugung einher, dass Männer Frauen generell überlegen sind. Klingt ja bekannt, zwar nennt es in Deutschland niemand „machismo“ aber die Gleichstellungsdebatte wurde nun schon so oft geführt, dass sie niemand mehr hören kann.

Aber zurück zum Macho.
Danke Google für die Definitionen. Wenige Minuten auf den Straßen Santiagos füllen die Begrifflichkeiten aus dem Internet mit Leben, Erfahrungen. Von „linda“ (schön) über „hermosa“ (wunderschön) bis zu „sexy“, nach 100 Metern Hauptstraße zur Hauptverkehrszeit war ich einmal mit der gesamten Palette an Adjektiven beschrieben worden. Manche war nett, andere gingen unter die Gürtellinie, aber fast alle waren mit Zungenschnalzen, Kussgeräuschen und Pfiffen verbunden. Wohlfühlfaktor? Gleich Null! Ob Man(n) sich hier noch ein Stück Steinzeitdenken bewahrt hat? Fäuste auf die Brust, übersteigerte männliche Dominanz und Agressivität, permanente Demonstration von Macht und Männlichkeit?

Kein Problem für die emanzipierte Frau. Nach wenigen Tagen genervt sein, nach dreisten Pfeifern umdrehen, böse Blicke verschicken und mehr oder weniger freundlichen Absagen erteilen, hatte ich den Dreh dann raus. Der lautete einfach: Augen zu und durch. Und einfach schmunzeln über die kleinen und großen Machos des Südens. Ein freundlicher Blick oder ein charmantes Lächeln entwaffnen sie viel eher als böse Blicke und wenn man gar eine Antwort auf „linda“ und „hermosa“ gibt oder sich bedankt, findet sich erstaunlich verschämten, auf einmal um die Hälfte geschrumpften Machos gegenüber. So viel zur Machtdominanz und Überlegenheit.

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