Den „Pöbel“ zu beleidigen ist ungeschickt

„Wir lachen darüber, wie die bekloppten Nazis ihre Hakenkreuze falschrum malen und wie Björn Höcke von der AfD bei Jauch seine Deutschlandflagge verkehrtherum aufhängt. Was für ein Vogel, nicht mal das kann er.“ Das schrieb Margarete Stokowski am Donnerstag in ihrer Spiegel-Online-Kolumne „Die Trottel hören zu“. Eine Kolumne darüber, wie wir momentan mit Pegida, den sogenannten besorgten Bürgern und aktiven Facebook-Usern umgehen, die sich rassistisch gegen Flüchtlinge äußern. Carolin Kebekus singt über diese Menschen „Wie blöd du bist“, die „Welt Online“ schreibt in einem Satire-Artikel: „Spaziergänger findet Hirn von Akif Pirinçci“.

„Es ist trotzdem, so einfach und verlockend es ist, kein geschickter Move, an Rechtsextremen ausgerechnet ihre Rechtschreibung und ihren IQ zu kritisieren“, schreibt Stokowski weiter. Es ist nicht geschickt, weil Pegida eine Minderheit ist. Eine Minderheit, deren Hass größer wird, je minderer sie sich fühlt, je mehr sie in eine Ecke gedrängt wird. Laut Stokowski müssen wir Pegida als Gesprächspartner anerkennen, anstatt über sie als „Trottel“ zu sprechen.

Diese Kolumne hätte schon Ende August erscheinen müssen, als Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf ein Video veröffentlichten, ihren Mund aufmachten gegen Rassismus im Netz. Fast fünf Millionen Menschen haben sich auf YouTube angeguckt, wie Joko und Klaas Hass-Kommentierer als „Idioten“ und „Intelligenzflüchtlinge“ bezeichnen. Etliche haben auf facebook und twitter geteilt, wie Joko und Klaase über die „erbärmliche Minderheit“ reden – unter dem Motto „Das wird man doch noch sagen dürfen“.

Ja, sagen darf man das. Aber ist es auch geschickt, das zu tun? Ist es geschickt, zu sagen „Ihr seid die Dummheit, das schwächste Glied in der Kette, die Peinlichkeit, die eine Demokratie, eine Fernsehshow oder eine Facebookseite wohl leider ertragen muss“? Focus bezeichnete das Video im August als „Starkes Statement“, die Bild spricht von einer „deutlichen Ansage“, der stern von einer „klaren Kante gegen Rassisten“. Ja, es ist deutlich, klar, vielleicht auch stark.

Aber es ist nicht geschickt, Menschen die rechts sind, immer wieder als „Pöbel“ und „dumm“ zu bezeichnen, wie es immer häufiger in den sozialen Netzwerken vorkommt. Maragrete Stokowski schrieb am Donnerstag, wenn wir das weiter tun, würden zwei Dinge passieren: Wir würden nicht mehr versuchen, mit diesen Menschen zu sprechen. Und das würden die mitkriegen. Das ist schon passiert.

Ich kenne viele, die auf Pegida und rassistische Hass-Kommentierer schimpfen. Laut schimpfen. Aber ich weiß von niemandem, der versucht hat, dagegen zu reden, ohne die Gegenseite zu beleidigen. Denn anscheinend glaubt niemand mehr, dass man mit diesen Menschen reden kann. Und genau dadurch vergrößert sich der Graben zwischen Willkommenskultur und Hass-Kommentierern weiter.

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