Der Flüchtling

[Er] Stumme braune Augen. Die Hände tief in den Taschen der abgetragenen Levis Jeans. Levis, immerhin. Der Blick gesenkt, auf die Füße, die sich in einem ewigen Rhythmus voreinander setzen. Morgens abmelden, abends anmelden, dazwischen immer um den Block. Oft begegnet er denselben Leuten. Fühlt er sich willkommen? Seine Augen verraten es nicht.

[Sie] Blicke aus dem Fenster, morgens, mittags, abends. Geradeaus ein Innenhof, schräg links Fenster eines Erstaufnahmelagers, in den Fenstern Gesichter. Menschen, die uns fremd sind und für die wir fremd sind. Menschen, für die man gerne weniger fremd wäre.
Jeden Morgen zur gleichen Zeit, ein Junge, pünktlich wie ein Wecker. Levis Jeans, die man nur erkennt, wenn man ihn auf der Straße sieht, und selbst dann kaum, so verblasst ist das Logo. Den Blick gesenkt, ein schüchterner Blick nach oben, bei einem freundlichen „Hallo“, mal auf Arabisch mal auf Deutsch. Manchmal ein flüchtiger zweiter Blick, dann wieder schweigen die braunen Augen.

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