Gewissensfrage?

In unserer WG wird ein Zimmer frei. Ein Syrer bewirbt sich. „Are you a refugee?“, fragt mein Mitbewohner als Erstes. Wir sind neugierig auf den dunkelgelockten jungen Mann, der etwas unsicher in Winterjacke in unserer Küche sitzt. Was „refugee“ bedeuten soll, wisse er nicht, aber ja, er habe wegen des Krieges seine Heimat verlassen. Nachdem er in Malaysia, Thailand und Ägypten war, ist er seit sechs Monaten im Saarland – für ein besseres Leben. Weiterlesen

Den „Pöbel“ zu beleidigen ist ungeschickt

„Wir lachen darüber, wie die bekloppten Nazis ihre Hakenkreuze falschrum malen und wie Björn Höcke von der AfD bei Jauch seine Deutschlandflagge verkehrtherum aufhängt. Was für ein Vogel, nicht mal das kann er.“ Das schrieb Margarete Stokowski am Donnerstag in ihrer Spiegel-Online-Kolumne „Die Trottel hören zu“. Eine Kolumne darüber, wie wir momentan mit Pegida, den sogenannten besorgten Bürgern und aktiven Facebook-Usern umgehen, die sich rassistisch gegen Flüchtlinge äußern. Carolin Kebekus singt über diese Menschen „Wie blöd du bist“, die „Welt Online“ schreibt in einem Satire-Artikel: „Spaziergänger findet Hirn von Akif Pirinçci“. Weiterlesen

Stille Beobachter

Sie bewegen sich nicht. Regungslos lehnen sie an einer Mauer, mit einem Bein über Kreuz oder einem Fuß an der Wand, lässig. Ob sie blinzeln, sieht man wegen der dunklen Sonnenbrillen nicht, man glaubt es nicht. Aber man fühlt ihre Blicke, die einem folgen, beobachten. Sie stehen immer an der gleichen Stelle. Morgens, mittags, abends, nachts. Immer lässig, regungslos, beobachtend. Immer eine Hand in der Nähe des Pfeffersprays, die andere ruht oberhalb des Schlagstocks. Das Schild lehnt an der Wand, die Gasmaske hängt um den Hals, lässig, ohne sich zu bewegen.

Zwischenstopp

„I don’t like Germans, I don’t like Europe, I don’t like the Americans. I love my country, and the Arabs. But I’m waiting for my German passport to live there.“ Er ist einer von vielen in Athen. Gestrandet auf der Flucht in den Westen, weg von zu Hause, weil zu Hause keine Zukunft mehr hat. In den Westen, den man nicht mag, weil man sein eigenes zu Hause viel lieber mag. Aber im Westen sind Bekannte, Freunde, Familie. Dafür könnte es sich lohnen, nach Deutschland zu gehen. Und solange wartet er hier, in der Al Salam Moschee in Athen.

Island: Von Schafen, Wasserfällen und Regenbögen

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Auf Island leben bekanntlich Trolle, Elfen und Gnome. Und Schafe. Menschen eher weniger. Statt mit Lebewesen und Mythen haben wir uns im Sommer 2014 aber eher mit der Natur beschäftigt, mit heißen Quellen, Wasserfällen und Regenbögen und Gletschern. Drei Wochen reichen, um die Insel zu umrunden, mit maximal 30 km/h durch jeden einzelnen Fjord zu fahren – und zu genießen. Weiterlesen

Mutter Sprache: Fering

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Heie starrt seine Großmutter an. „Ik snaake äners, he“, flüstert sie ihm ins Ohr: Ich klinge ganz anders, nicht? Sobald sie Deutsch spricht, zieht Heie sein kleines Stupsnäschen kraus. Ungewohnt klingt Deutsch in seinen Ohren. Das mag der sieben Monate alte Junge nicht. Heies Muttersprache ist Fering – wie bei Großmutter Enken Tholund. Und das ist gut so, sagt sie. Weiterlesen

“Me and the riots“

Ein lauter Knall. Noch einer. Zwei große Müllcontainer liegen in einer Gasse im Zentrum von Athen auf der Seite. Müllreste haben sich auf der Straße verteilt. Sie brennen. Der Inhalt der Tonnen wird von den Flammen verschlungen. Der Geruch von versengendem Kunststoff beißt in der Nase. Niemand kommt aufgeregt herangeeilt. Vorbeigehende Passanten würdigen den Tonnen nur einen kurzen Seitenblick, nicht auf die brennenden Müllreste treten. Vereinzelt wird ein Smartphone aus der Tasche gezogen. Ein kurzes Selfie, abends um elf, ich und die brennenden Containern, für die Freunde.