Amsterdam: Künstler versus Investoren

18302280528_d134178820_bKünstler haben es schwer – nichts Neues erstmal. In Amsterdam haben sich daher rund 250 Künstler auf der ehemaligen NDSM-Werft eine Art Kunststadt aufgebaut. Dort können sie für kleines Geld Ateliers mieten und diese ganz nach ihrem Geschmack gestalten. Eine ganze Lagerhalle ist dadurch zur Kunststadt geworden. Städteplanerisch eine super Sache: hip, shabby chic, vintage und for allem selfmade. Doch wer genau hinschaut, stellt fest: Auch auf der ehemalgien Werft haben die Künstler nicht mehr ihre Ruhe. Weiterlesen

Der Flüchtling

[Er] Stumme braune Augen. Die Hände tief in den Taschen der abgetragenen Levis Jeans. Levis, immerhin. Der Blick gesenkt, auf die Füße, die sich in einem ewigen Rhythmus voreinander setzen. Morgens abmelden, abends anmelden, dazwischen immer um den Block. Oft begegnet er denselben Leuten. Fühlt er sich willkommen? Seine Augen verraten es nicht.

[Sie] Blicke aus dem Fenster, morgens, mittags, abends. Geradeaus ein Innenhof, schräg links Fenster eines Erstaufnahmelagers, in den Fenstern Gesichter. Menschen, die uns fremd sind und für die wir fremd sind. Menschen, für die man gerne weniger fremd wäre.
Jeden Morgen zur gleichen Zeit, ein Junge, pünktlich wie ein Wecker. Levis Jeans, die man nur erkennt, wenn man ihn auf der Straße sieht, und selbst dann kaum, so verblasst ist das Logo. Den Blick gesenkt, ein schüchterner Blick nach oben, bei einem freundlichen „Hallo“, mal auf Arabisch mal auf Deutsch. Manchmal ein flüchtiger zweiter Blick, dann wieder schweigen die braunen Augen.

Gefangen im Hamsterrad

knowledge-1052010_1280Ja, wir sind es, wir bekennen uns. Generation Y. Generation „schneller, besser, ausgebildeter“. Generation Praktikum.
Wir sind die, die stark sein wollen und immer individueller. „Sich ein Profil schaffen“, „sich von der Masse abheben“, sind die Credos, mit denen wir aufgewachsen sind.
Und wir machen diesen Wettlauf mit, meistens bedingungslos, meistens ohne ihn zu hinterfragen. Haben wir eine andere Wahl? „Nein“, antworten wir uns selber und machen weiter. Es hilft ja nichts. Es ist eben so. Ist es das? Weiterlesen

Das sind wir

DSC_0954Es gibt Menschen, die nennen uns die “siamesischen Zwillinge”. Das stimmt natürlich nicht – zumindest nicht ganz. Kennengelernt haben wir uns im März 2013 als “Frischlinge” bei der Journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung (kurz JONA). Stress und Recherchen, Text, Bild, Ton und Daten – das schweißt zusammen. Seitdem haben wir jede Menge Zeit miteinander verbracht. Auch wenn wir die meiste Zeit davon an völlig verschiedenen Orten in der Welt unterwegs sind.

Wer wir sind: diegeschichtenschreiben.

Was wir wollen: Geschichten erzählen, die sonst keinen Platz finden.

Wie wir das machen: So, wie es gerade passt und von dort, wo wir gerade sind. Aber immer mit Leidenschaft.

Augenblicke

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Die Hand unermüdlich aufgehalten. Schmutz wie kleine Halbmonde unter den Fingernägeln.
„Schekel, Schekel!“ [palästinensische Währung]. Dazu ein Lachen, wie es nur Kinder können. Breit, unschuldig, unbelastet von den Sorgen des Alltags.
Die Eltern besorgt, schicken ihre Kinder zu den Touristen.
Vertrieben aus ihrer Heimat.
Palästinensische Beduinen.
Im Niemandsland zwischen israelischer Siedlung und palästinensischer Stadt.
Ein Blitz, ein Klick, ein erstauntes Kinderlachen.
„Foto, Foto!“ Die fordernd aufgehaltene Hand schließt sich um meine. Braun neben weiß. Schwarze Halbmonde neben vor Sonnenmilch blasser Haut.

„Hola guapa!“ Oder: Der Macho aus Lateinamerika

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Der Chilene sagt: Das muss so. Die Mexikanerin sagt: Die sind eben so. Wie ich als deutsche Backpackerin den südamerikanischen Machismo erlebt habe.

Geh nach Lateinamerika, haben sie gesagt. Es wird dir gefallen, haben sie gesagt.
Sie haben nicht gelogen. Was trotzdem unerwähnt blieb, lässt sich kurz zusammenfassen: „machismo“. Die Bedeutung des Wortes sollte sich von selbst erschließen. Ich hatte davon gehört, kurz vor meiner Reise, mein Reiseführer sprach davon, ich las es im Internet und dennoch dachte ich: Ach, kann doch nicht so wild sein. Weiterlesen