Eins fuffzich – dat muss

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Föhr – eine Insel, auf der jeder jeden kennt. Nur einen Mann kennt kaum jemand. Thore ist Muschelsammler. Hauptberuflich, aber nicht aus Leidenschaft. Wie ein Obdachloser die Vorzüge der Insel für sich nutzt.

Eine kleine Muschel. Einmal polieren. Ein kritischer Blick. „Eins fuffzich – dat muss!“ Dann wird weitergesucht. Mühsam stapft Thore durch den Sand, barfuß. Seine Füße sind verhornt, geschwollen. Unter den Fußnägeln hat sich schwarz der Schmutz abgesetzt, wie kleine Halbmonde fallen sie im weißen Sand auf.
Thore ist obdachlos. Thore ist arbeitslos. Weiterlesen

„Was bleibt, wenn nicht die Erinnerung?“

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Eigentlich wollte Annegret nur einkaufen fahren. Um die Ecke zu REWE. Mit ihrem kleinen, blauen Polo, so wie immer. Doch als sie aus dem Auto steigt, ist alles anders. Fast schon verloren steht Annegret auf dem Parkplatz in Düsseldorf-Unterbilk. Verwirrt blickt sie sich um, sieht Menschen geschäftig umherlaufen, alle mit einem Ziel. Nur sie hat keins.
Eine Woche später sitzt die 64-Jährige im Wartezimmer ihres Hausarztes. Verwirrt, verloren, überfordert, mit einem Mann an ihrer Seite, der zwar tröstend ihre zitternde Hand hält. Die Diagnose: Alzheimer. Ein Tag, der ihr Leben in zwei Teile teilt: Vor und nach der Krankheit. Weiterlesen

Mutter Sprache: Fering

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Heie starrt seine Großmutter an. „Ik snaake äners, he“, flüstert sie ihm ins Ohr: Ich klinge ganz anders, nicht? Sobald sie Deutsch spricht, zieht Heie sein kleines Stupsnäschen kraus. Ungewohnt klingt Deutsch in seinen Ohren. Das mag der sieben Monate alte Junge nicht. Heies Muttersprache ist Fering – wie bei Großmutter Enken Tholund. Und das ist gut so, sagt sie. Weiterlesen