Den „Pöbel“ zu beleidigen ist ungeschickt

„Wir lachen darüber, wie die bekloppten Nazis ihre Hakenkreuze falschrum malen und wie Björn Höcke von der AfD bei Jauch seine Deutschlandflagge verkehrtherum aufhängt. Was für ein Vogel, nicht mal das kann er.“ Das schrieb Margarete Stokowski am Donnerstag in ihrer Spiegel-Online-Kolumne „Die Trottel hören zu“. Eine Kolumne darüber, wie wir momentan mit Pegida, den sogenannten besorgten Bürgern und aktiven Facebook-Usern umgehen, die sich rassistisch gegen Flüchtlinge äußern. Carolin Kebekus singt über diese Menschen „Wie blöd du bist“, die „Welt Online“ schreibt in einem Satire-Artikel: „Spaziergänger findet Hirn von Akif Pirinçci“. Weiterlesen

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Das sind wir

DSC_0954Es gibt Menschen, die nennen uns die “siamesischen Zwillinge”. Das stimmt natürlich nicht – zumindest nicht ganz. Kennengelernt haben wir uns im März 2013 als “Frischlinge” bei der Journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung (kurz JONA). Stress und Recherchen, Text, Bild, Ton und Daten – das schweißt zusammen. Seitdem haben wir jede Menge Zeit miteinander verbracht. Auch wenn wir die meiste Zeit davon an völlig verschiedenen Orten in der Welt unterwegs sind.

Wer wir sind: diegeschichtenschreiben.

Was wir wollen: Geschichten erzählen, die sonst keinen Platz finden.

Wie wir das machen: So, wie es gerade passt und von dort, wo wir gerade sind. Aber immer mit Leidenschaft.

Stille Beobachter

Sie bewegen sich nicht. Regungslos lehnen sie an einer Mauer, mit einem Bein über Kreuz oder einem Fuß an der Wand, lässig. Ob sie blinzeln, sieht man wegen der dunklen Sonnenbrillen nicht, man glaubt es nicht. Aber man fühlt ihre Blicke, die einem folgen, beobachten. Sie stehen immer an der gleichen Stelle. Morgens, mittags, abends, nachts. Immer lässig, regungslos, beobachtend. Immer eine Hand in der Nähe des Pfeffersprays, die andere ruht oberhalb des Schlagstocks. Das Schild lehnt an der Wand, die Gasmaske hängt um den Hals, lässig, ohne sich zu bewegen.

Zwischenstopp

„I don’t like Germans, I don’t like Europe, I don’t like the Americans. I love my country, and the Arabs. But I’m waiting for my German passport to live there.“ Er ist einer von vielen in Athen. Gestrandet auf der Flucht in den Westen, weg von zu Hause, weil zu Hause keine Zukunft mehr hat. In den Westen, den man nicht mag, weil man sein eigenes zu Hause viel lieber mag. Aber im Westen sind Bekannte, Freunde, Familie. Dafür könnte es sich lohnen, nach Deutschland zu gehen. Und solange wartet er hier, in der Al Salam Moschee in Athen.

Augenblicke

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Die Hand unermüdlich aufgehalten. Schmutz wie kleine Halbmonde unter den Fingernägeln.
„Schekel, Schekel!“ [palästinensische Währung]. Dazu ein Lachen, wie es nur Kinder können. Breit, unschuldig, unbelastet von den Sorgen des Alltags.
Die Eltern besorgt, schicken ihre Kinder zu den Touristen.
Vertrieben aus ihrer Heimat.
Palästinensische Beduinen.
Im Niemandsland zwischen israelischer Siedlung und palästinensischer Stadt.
Ein Blitz, ein Klick, ein erstauntes Kinderlachen.
„Foto, Foto!“ Die fordernd aufgehaltene Hand schließt sich um meine. Braun neben weiß. Schwarze Halbmonde neben vor Sonnenmilch blasser Haut.

„Hola guapa!“ Oder: Der Macho aus Lateinamerika

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Der Chilene sagt: Das muss so. Die Mexikanerin sagt: Die sind eben so. Wie ich als deutsche Backpackerin den südamerikanischen Machismo erlebt habe.

Geh nach Lateinamerika, haben sie gesagt. Es wird dir gefallen, haben sie gesagt.
Sie haben nicht gelogen. Was trotzdem unerwähnt blieb, lässt sich kurz zusammenfassen: „machismo“. Die Bedeutung des Wortes sollte sich von selbst erschließen. Ich hatte davon gehört, kurz vor meiner Reise, mein Reiseführer sprach davon, ich las es im Internet und dennoch dachte ich: Ach, kann doch nicht so wild sein. Weiterlesen

Eins fuffzich – dat muss

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Föhr – eine Insel, auf der jeder jeden kennt. Nur einen Mann kennt kaum jemand. Thore ist Muschelsammler. Hauptberuflich, aber nicht aus Leidenschaft. Wie ein Obdachloser die Vorzüge der Insel für sich nutzt.

Eine kleine Muschel. Einmal polieren. Ein kritischer Blick. „Eins fuffzich – dat muss!“ Dann wird weitergesucht. Mühsam stapft Thore durch den Sand, barfuß. Seine Füße sind verhornt, geschwollen. Unter den Fußnägeln hat sich schwarz der Schmutz abgesetzt, wie kleine Halbmonde fallen sie im weißen Sand auf.
Thore ist obdachlos. Thore ist arbeitslos. Weiterlesen

„Was bleibt, wenn nicht die Erinnerung?“

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Eigentlich wollte Annegret nur einkaufen fahren. Um die Ecke zu REWE. Mit ihrem kleinen, blauen Polo, so wie immer. Doch als sie aus dem Auto steigt, ist alles anders. Fast schon verloren steht Annegret auf dem Parkplatz in Düsseldorf-Unterbilk. Verwirrt blickt sie sich um, sieht Menschen geschäftig umherlaufen, alle mit einem Ziel. Nur sie hat keins.
Eine Woche später sitzt die 64-Jährige im Wartezimmer ihres Hausarztes. Verwirrt, verloren, überfordert, mit einem Mann an ihrer Seite, der zwar tröstend ihre zitternde Hand hält. Die Diagnose: Alzheimer. Ein Tag, der ihr Leben in zwei Teile teilt: Vor und nach der Krankheit. Weiterlesen

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Palästina – mit diesem Stichworte verbinden Viele Terror, Krieg, Selbstmordanschläge und einen schier unlösbaren Konflikt. Kaum verwunderlich, denn darauf liegt der Fokus der deutschen Berichterstattung. Ich habe mich gefragt „Kann Palästina auch ganz anders sein?“ und habe versucht im Rahmen einer deutsch-palästinensischen Journalistenakademie in Ramallah ein anderes Bild der Palästinenser zu zeichnen,
ein Vielseitigeres. Statt Kriegsberichterstattung sollten Menschengeschichten erzählt werden, statt Politik Alltagssituationen im Mittelpunkt stehen. “Anders als erwartet” lautete so auch der gemeinsame Gedanke hinter der Reise. Weiterlesen

Palästina – anders als erwartet!